Wärmewende erfolgreich umsetzen – so gelingt der Schritt
Die Machbarkeitsstudie liegt auf dem Tisch. Die Zahlen stimmen technisch. Doch es fehlt an Personal, Know-how und Kapital in der Umsetzung. Eine Situation, die viele Stadtwerke kennen – und die über Erfolg oder Scheitern der Wärmewende vor Ort entscheidet. Wir zeigen, wie Contracting-Modelle und strategische Partnerschaften den Weg freimachen können. Artikel von RheinEnergie AG
Die Studie ist fertig, der Transformationspfad skizziert, die Kommune informiert. Dann kommen die Zahlen: Eine neue Großwärmepumpe, 18 Millionen Euro Investition, Amortisation in 15 Jahren. Für ein mittelgroßes Stadtwerk mit begrenzten Ressourcen und Know-How ist das kein Projekt, sondern ein Problem. Dabei ist die Ausgangslage dieser Stadtwerke keine Ausnahme. Sie ist die Regel. Denn der Druck, die Wärmeversorgung zu dekarbonisieren, trifft eine Branche, die gleichzeitig mit explodierenden Bürokratiekosten und einem regulatorischen Umfeld kämpft, das kaum Luft lässt.
Regulatorik, Bürokratie, Investitionsdruck – eine toxische Mischung
Die Stadtwerkestudie 2025 von BDEW und EY zeichnet ein ernüchterndes Bild der Branchenstimmung: 86 Prozent der befragten Unternehmen bewerten den Einfluss gesetzlicher und regulatorischer Vorgaben auf ihre Tätigkeit als negativ. Nur noch 48 Prozent schätzen das Geschäftsjahr 2024 als gut oder sehr gut ein – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2005.
Gleichzeitig hat sich der Bürokratiekostenindex für die Energiewirtschaft seit 2021 vollständig vom gesamtwirtschaftlichen Index abgekoppelt: Der Erfüllungsaufwand für Gesetze und Verordnungen liegt bei 8,2 Milliarden Euro jährlich, die Informationspflichten haben sich von 685 Millionen Euro (2019) auf 1,5 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.
„Die Wärmewende ist keine Frage des Ob, sondern des Wie. Stadtwerke stehen vor enormen wirtschaftlichen, personellen und regulatorischen Herausforderungen, deshalb sind starke Partnerschaften auf Augenhöhe umso wichtiger. Sie sind ein entscheidender Erfolgsfaktor, um Projekte effizient und wirtschaftlich umzusetzen.“ Emil Issagholian, Bereichsleiter Energiedienstleistungen & Fernwärme der RheinEnergie – next energy solutions
Fördermittel richtig nutzen – aber wer kennt alle Hebel?
Ein oft unterschätzter Hebel bei der Projektfinanzierung ist das Programm der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW). Es unterstützt den Aus- und Neubau klimafreundlicher Wärmenetze mit bis zu 40 Prozent der förderfähigen Investitionskosten – und kann erhebliche Investitionsvolumina mitfinanzieren. Die Flächenprogramme von BAFA und KfW ergänzen das Bild für kleinere Anlagen und Einzelmaßnahmen. Doch Förderanträge sind aufwändig, die Anforderungen komplex, und Bewilligungsverfahren können den Projektstart empfindlich verzögern. Für viele Stadtwerke fehlt schlicht die interne Kapazität, Anträge parallel zum Tagesgeschäft aufzusetzen und zu begleiten.
Hier setzen Kooperationsmodelle mit erfahrenen Energiedienstleistern an: Sie bringen nicht nur technisches Know-how mit, sondern auch die notwendige Fördermittelkompetenz und können Antragsprozesse strukturieren, Fristen sichern und die maximale Förderquote ausschöpfen.
Drei Wege zur erfolgreichen Wärmewende
In der Praxis haben sich drei Partnerschaftsmodelle bewährt, die Stadtwerke je nach Ausgangslage flexibel einsetzen können:
- Strategische Kooperation: Das Stadtwerk bringt lokale Expertise, Kundenstamm und vorhandene Infrastruktur ein, der Partner übernimmt einen Teil technischen Umsetzung und der Finanzierung. Die Einnahmen werden entsprechend der Anteile geteilt. So lassen sich partnerschaftlich komplexe Großprojekte umsetzen, auch wenn Personal, Know-How und Kapital begrenzt ist.
- Anlagen-Contracting: Investitions-, Bau- und Betriebsrisiken liegen vollständig beim Energiedienstleister. Von der Planung und Genehmigung über den Bau bis zur langjährigen Wartung kommt alles aus einer Hand – das Stadtwerk zahlt eine planbare Contracting-Rate und gewinnt Kostensicherheit über die gesamte Laufzeit. Besonders für Anlagen, die spezialisiertes Betreiber-Know-how erfordern – etwa Großwärmepumpen oder Biomasseheizwerke – ist dieses Modell attraktiv.
- Übernahme von Bestandsanlagen: Bestehende Anlagen wie Gaskraftwerke oder Heizhäuser werden an einen strategischen Partner veräußert, der Betrieb und Wartung im Contracting-Modell übernimmt und die Wärmeversorgung langfristig dekarbonisiert.
Neue Wärmequelle Rechenzentrum: ein unterschätztes Potenzial
Ein Thema, das in der kommunalen Wärmeplanung noch zu selten mitgedacht wird: Abwärme aus Rechenzentren. Mit der voranschreitenden Digitalisierung und dem KI-Boom entstehen bundesweit neue Serverstandorte und mit ihnen erhebliche Abwärmemengen, die bislang oft ungenutzt bleiben.
Das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) verpflichtet Rechenzentren ab einer bestimmten Größe seit 2024 dazu, ihre Abwärme verfügbar zu machen. Für Stadtwerke bietet das eine reale Chance: Wer frühzeitig Kontakt zu Betreibern aufnimmt und die technischen Voraussetzungen für eine Einspeisung in bestehende Wärmenetze schafft, sichert sich eine wirtschaftlich attraktive und CO₂-arme Wärmequelle für die Zukunft.
Von der Theorie zur Praxis: Referenzprojekte in jeder Größenordnung
Dass diese Ansätze in der Praxis funktionieren, zeigen zwei aktuelle Beispiele der RheinEnergie: Die Flusswasser-Wärmepumpe in Köln-Niehl wird mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 280 Millionen Euro und einer Wärmeleistung von 150 MW künftig bis zu 50.000 Wohneinheiten mit Fernwärme versorgen. Das Projekt erhält einen BEW-Förderbescheid in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro – ein Beleg dafür, wie gezielte Fördermittelstrategie große Transformationsprojekte ermöglicht.
Am anderen Ende der Skala steht das Holzheizwerk am Flughafen Köln/Bonn: eine 2,5-MW-Anlage auf Contracting-Basis, die mit lokalem Landschaftspflegematerial betrieben wird, jährlich über 2.700 Tonnen CO₂ einspart und bis zu einem Drittel des gesamten Wärmebedarfs des Flughafens deckt. Beide Projekte zeigen: Maßgeschneiderte Partnerschaften funktionieren für jede Projektgröße und jede Ausgangssituation – vorausgesetzt, die Strukturen und das Finanzierungsmodell passen.
Für Stadtwerke, die den nächsten Schritt planen
RheinEnergie – next energy solutions unterstützt Stadtwerke bundesweit mit partnerschaftlichen Kooperationsmodellen auf Augenhöhe mit über 600 realisierten Projekten, mehr als 30 Jahren Contracting-Erfahrung und einem bundesweiten Netz aus sieben Standorten. Alle Informationen zu Kooperationsmodellen, Asset-Abkauf und Full-Service-Contracting sowie die Möglichkeit zur direkten Kontaktaufnahme:
nextenergy.rheinenergie.com/stadtwerke
RheinEnergie AG auf der VKU-Vertriebstagung 2026
Die RheinEnergie AG bringt ihre Praxiserfahrungen auf der VKU-Vertriebstagung 2026 ein: Kristin Bürker, Abteilungsleiterin Fernwärme und Projektmanagement, gibt Einblicke in „Wärme mit Zukunft: So gelingt der Vertriebsausbau“.
Die VKU-Vertriebstagung ist DER Branchentreff für Vertriebsprofis kommunaler Energieversorger und Stadtwerke. Seien Sie dabei und nehmen Sie konkrete Ideen, neue Impulse und echte Lösungen für Ihren Vertrieb mit ins Unternehmen!
Sie haben noch Fragen?
Louis Luxen
Abteilungsleiter Vertrieb EDL
RheinEnergie – next energy solutions
Tel.: 0221 178-4040
E-Mail: energiedienstleistungen@rheinenergie.com
Web: nextenergy.rheinenergie.com
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