Gemeinsam zur erfolgreichen Smart City: Norderstedt macht es vor

Gemeinsam zur erfolgreichen Smart City: Norderstedt macht es vor

Heute in Teil 2: Wie gelingt die erfolgreiche Transformation zur Smart City? Eine Stadt im Süden Schleswig-Holsteins zeigt, worauf es beim smarten Wandel ankommt: Die Smart-City-Offensive „Norderstedt GO!“ fußt auf dem engen Schulterschluss zwischen den Norderstedter Stadtwerken und der Stadt. Im Interview mit Kommunal Digital erklären Jens Seedorff, Werkleiter der Stadtwerke Norderstedt, und Jürgen Germies, geschäftsführender Partner bei Haselhorst Associates, welches aus ihrer Sicht die wichtigsten Zutaten für eine smarte Stadtentwicklung sind. Sponsored Post von Haselhorst Associates

Norderstedt landet im diesjährigen Smart-City-Ranking von Haselhorst Associates erstmals unter den Top Ten deutschlandweit – nach dem elften Platz im vergangenen Jahr. Herr Germies, wie kam es zu diesem Ergebnis?

Jürgen Germies: Zunächst einmal möchte ich Norderstedt zu diesem herausragenden Ergebnis gratulieren – die Platzierung ist wirklich mehr als verdient! Die Stadt und die Stadtwerke haben im vergangenen Jahr die Smart-City-Offensive „Norderstedt GO!“ gestartet und in deren Rahmen eine umfangreiche Strategie für die Transformation entworfen. Damit hat Norderstedt einen ganz entscheidenden Grundstein für eine erfolgreiche Smart City gelegt.

Auch wir von Haselhorst Associates sind sehr stolz darauf, die Stadt seither bei ihrer smarten Entwicklung unterstützen zu dürfen. Und gerade weil das so ist, ist es mir an dieser Stelle umso wichtiger zu betonen, dass das gute Abschneiden Norderstedts im Ranking losgelöst ist von unserer Zusammenarbeit. Unsere Studie basiert auf der detaillierten Auswertung sämtlicher öffentlich einsehbarer quantitativen Daten und qualitativen Erhebungen und ist somit unabhängig von der möglichen Einflussnahme seitens der Städte.

Herr Seedorff, „Norderstedt GO!“ ist ein gemeinsames Programm der Stadt und der Stadtwerke Norderstedt. Welches Ziel steckt hinter dieser Initiative?

Jens Seedorff: Gemeinsam mit der Stadt Norderstedt haben wir uns im Herbst 2021 auf den Weg zur Smart City gemacht. Die Stadtwerke Norderstedt sind der Infrastrukturdienstleister für intelligente Energie, Konnektivität, Mobilität und Freizeit für über 80.000 Menschen sowie viele Unternehmen. Darüber hinaus erfüllen wir den Auftrag der Daseinsvorsorge und engagieren uns mit viel Leidenschaft in allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Die Smart City Norderstedt soll die hohe Lebensqualität der Stadt erhalten und ihre Nachhaltigkeit fördern, indem die digitalen Anwendungen immer die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellen. In den ersten Projektphasen haben wir Menschen gesucht, die motiviert sind, die Smart City mitzugestalten, um anschließend in thematisch geclusterten Arbeitsgruppen Lösungsansätze zu entwickeln.

Wie wichtig ist ein solcher enger Zusammenschluss zwischen Städten und Stadtwerken für den Erfolg einer Smart City aus Ihrer Sicht, Herr Germies?

Jürgen Germies: Die enge Zusammenarbeit ist aus meiner Sicht extrem wichtig, wenn nicht absolut entscheidend. Eine Stadt allein kann eine Smart City nicht realisieren, ebenso wenig, wie Stadtwerke dies können. Gemeinsam kann jedoch ein großes Potenzial freigesetzt werden. So spielt etwa eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur eine entscheidende Rolle für den Transformationsprozess. Denn: Smart-City-Maßnahmen können erst umfassend realisiert werden, wenn die entsprechende digitale Infrastruktur vorhanden ist. Vor diesem Hintergrund sollten sich meiner Meinung nach auch Stadtwerke als „Versorger“ der Stadt zwingend zum Thema Digitale Daseinsvorsorge positionieren. Ein Stadtwerk, das diesen Aspekt frühzeitig strategisch angeht, hat die Möglichkeit, ein attraktives Geschäftsfeld aufzubauen und so zum Enabler einer Smart City zu werden.

Norderstedt ist in der Smart-City-Studie deutschlandweit Sieger im Bereich „Digitale Infrastruktur“ – mit einem Wert von 100 Prozent.

Jens Seedorff: So ein Ergebnis löst natürlich immer Freude aus, denn es bestätigt unsere Entscheidung aus dem Jahr 1999, die wilhelm.tel GmbH zu gründen und ein völlig neues Geschäftsfeld neben der frisch liberalisierten Energieversorgung zu betreten. Es belohnt aber auch die Hartnäckigkeit, sich den Kritikern der ersten Stunde zu stellen und gegen alle Widerstände in der Metropolregion Hamburg zum attraktivsten Telekommunikationsdienstleister zu werden. Eigenschaften, von denen wir glauben, dass sie uns befähigen, aus Norderstedt nun eine Smart City zu machen.

Jürgen Germies: Der Schritt, den die Norderstedter Stadtwerke hier gemacht haben, hat für mich deutschlandweit Vorbildcharakter. Viele Stadtwerke sehen sich mit der Frage konfrontiert, welche Geschäftsmodelle zukünftig versprechen, lukrativ zu sein. Der Glasfaserausbau bietet Stadtwerken dabei die Chance, neue Ertragsmodelle aufzubauen. Schließlich gibt es zahlreiche mögliche Antrittspunkte, die auf Glasfaser aufbauen, wie beispielsweise W-Lan-Dienste oder der 5G-Standard, der eine Glasfaseranbindung der Sendeanlagen voraussetzt. Angesichts dessen ist es für mich auch überhaupt nicht nachvollziehbar, wenn Kommunen private Telekom-Anbieter mit dem Glasfaserausbau beauftragen. Wer verdient dann das Geld und wer finanziert künftig die Daseinsvorsorge?

Herr Seedorff, welches sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für Städte und Stadtwerke, das Konzept einer Smart City in die Tat umzusetzen?

Jens Seedorff: Die Technik und die Anwendungen müssen immer den Menschen dienen. Was sich so selbstverständlich anhört, ist in der Realisierung eine Mammutaufgabe. Es gibt junge und alte Menschen, kulturinteressierte, sportbegeisterte, wissbegierige und viele mehr. Dann gibt es die vielen Aufgaben und Abläufe der Verwaltung, der Energieversorgung, der Freizeit- und Gastronomieeinrichtungen, des Gesundheitswesens und so weiter. Und zu guter Letzt die wirtschaftlichen Prozesse in Handel und Gewerbe. Ihnen allen können smarte digitale Anwendungen das Leben erleichtern und mittels Effizienssteigerungen auch nachhaltiger gestalten. Sie alle in transparenten und paritätischen Prozessen zu beteiligen und mit auf den Weg in die Smart City zu nehmen, wird eine der größten Herausforderungen und ein Schlüssel zum Erfolg.

Und zum Abschluss: Herr Germies, wie wird sich aus Ihrer Sicht der Smart-City-Markt in Deutschland in Zukunft weiterentwickeln?

Jürgen Germies: Insgesamt betrachtet passiert in Deutschland in puncto Smart City aktuell noch viel zu wenig. Keine der von uns untersuchten Städte kommt über Digitalisierungsgrad von 50 Prozent hinaus. Dabei sollten alle Städte und Stadtwerke gerade im Hinblick auf die Energiekrise aus meiner Sicht allerspätestens jetzt verstanden haben: Smart City ist alternativlos und muss zwingend aktiv angegangen werden! Schließlich zeigen Beispiele wie Norderstedt deutlich: Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, können bereits in kurzer Zeit große Erfolge erzielt werden. Inzwischen wurde in Norderstedt bereits die Umsetzungsphase der Projekte eingeläutet – und das binnen nur eines Jahres seit Start der Offensive. Hier kann ich nur sagen: Weiter so!

Sie haben noch Fragen?

Jürgen Germies

Managing Partner
smartcity@haselhorst-associates.com
+49 157 79050192

Herr Jürgen Germies ist seit 2013 Partner bei Haselhorst Associates. Sein vielfältiges Know-how in den Bereichen Beratung, Industrie und Finanzierung machen ihn für unsere Klienten zu einem Partner auf Augenhöhe. Er begleitet Unternehmen bei Strategieentwicklungen, Restrukturierungen und Change-Prozessen. Jürgen Germies entwickelt mit Stadtwerken und Kommunen zukunftsfähige Konzepte zur digitalen Daseinsvorsorge und Smart City. Seine Erfahrungen als Geschäftsführer, Gesellschafter oder Aufsichtsrat in verschiedenen Phasen der Unternehmensentwicklung wie Gründung, Sanierung und Insolvenz runden sein Profil ab.

Jürgen Germies
Managing Partner

Copyrights

Foto Jürgen Germies © Haselhorst Associates
Foto Jens Seedorff © Stadtwerke Norderstedt

 

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